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Kurze Wochen 21


18.07.2021 | © pt

Reise '21, Teil 4


wirklich keine besonderen Vorkommnisse
4. Juli - 18. Juli



Wir liegen im Ort Orth, längsseits eines ordentlich großen Pottes. Nein, nicht an der "Princess of Schwanitz" (vgl. Nord bei Nordwest), an der "Minna" haben wir festgemacht. Der Hafen ist rappelvoll. Zur nächsten Steckdose sind es locker 50 Meter. Deutlich zu weit für unsere Kabelvorräte.

Außerdem hat man hier in Orth vor einiger Zeit ein beklopptes Kartenbezahlsystem für Strom eingeführt. Ich mag das nicht. Ich finde das nicht schön. Es ist lästig!

Orth auf Fehmarn
festgemacht an der Minna in Orth


Bleiben wollen wir zwei Tage. Da muss unser "Power-Block" ran. Für Die, die es nicht wissen, "Power-Block" ist ein winziges Blockheizkraftwerk im Heck der Kohinoor. Es macht aus Diesel Strom, Wärme und heißes Wasser. Im letzten Jahr hat sich das Ding locker geschlagen, wir hatten es häufiger im Einsatz, zeitweise war uns kalt, teilweise fehlte die Landstromversorgung.

Heute morgen hab ich Frau Cornelia das Duschwasser bereitet und ein bisschen Saft in die Batterien gepumpt und dann geht der Apparat auf Störung, zum Glück ist das Wasser schon ausreichend warm, für die Akkus hätte er noch ein wenig laufen können.

"Piep, Piep, Piep", warnt der Piezo-Summer, die LED "Störung" blinkt hecktisch, das Anzeigetableau meldet:

"Öldruck zu gering!"

Schlechte Laune hatte ich sowieso, insofern bedurfte es keiner weiterer Tiefschläge. Just begann ich Frühstück zu machen, warum das verdammt nochmal fast immer meine Aufgabe ist, ist mir nicht klar, da war das Gas am Ende.

Die Folge: Keine herrlich aufgebackenen Brötchen, keine pflaumweichen Eier, sondern neue Gasflasche unter dem Niedergang hervorkramen, raus in die Plicht und ab in die Backskiste steigen, Gaskiste öffnen, alte Flasche rausschrauben, neue rein und dann zu allem Überfluss das Teak der Plichtbank scheuern, nur weil ich die feuchte leere Mistflasche mit ihrem drecksrostigem Rand auf das Teak gestellt habe. (Passiert mir sonst nie weil ich weiß, dass es so häßliche braune Kreise macht. Wochenlang sieht man sie.)

Aber Schluß damit und zum Anfang des Kapitels, dem


4. Juli 2021

Beim ersten Frühstück in Kappeln eröffnet mir Frau Cornelia, dass sie sich jetzt entschieden habe, das SUP würde sie nun doch bestellen. Trotz des Unglücks mit dem Fahrrad und zwar bei einem namhaften Versender für Bootsgedöns.

Der aufmerksamer Leser wird sich erinnern, die aufmerksame Leserin sowieso. Frau Cornelia hatte Pech mit ihrem E-Bike als wir in Eckernförde auf dem Weg zum geplanten SUP-Einkauf waren - es war im Hafenbecken versunken.

Nach diesem Reinfall war ihr zunächst die Lust auf das Paddelboard vergangen. Nun war sie zurück, die Lust:

"Du ich werd' das nach hause liefern lassen. Können wir dann ja mitnehmen wenn wir zu Deiner Impfung fahren nächste Woche."

Mir soll es recht sein, obwohl, ein klein wenig hatte ich gehofft, dass mir die zusätzliche Deckslast erspart bliebe. Die unbedingt erforderliche Decksdusche hatten wir schon in Kiel gekauft, beim Kartenhändler. Der freundliche Mann bei AWN hatte in seinen leeren Regalen nach langem Suchen noch ein Exemplar gefunden. Seitdem fahren wir den Wassersack, der zum Reinigen nach Stürzen in die Ostsee dienen soll, gefüllt auf dem Vorschiff durch die Gegend. Tagsüber wird das Wasser heiß, nachts kühlt es ab. Ich möchte nicht wissen, wie die Brühe stinkt, inzwischen in dem Plastiksack.

Ansonsten ist für mich "freies Spielen" heute. Ich habe Urlaub eingereicht, keine Spaziergänge und auch sonst keine Verpflichtungen.


5. Juli 2021

Wir wandern durch Kappeln, kaufen ein paar Kleinigkeiten und machen Pause in einem tollen Café, Papa ist Bäcker, der Sohn Konditor, er beherrscht sein Handwerk wirklich virtuos und die Mama macht einen tollen Service. Wir sitzen unter einem gemütlichen Blätterdach in "Müllers Café" und fühlen uns rundum wohl. Entspannt studieren wir das schon wieder rege Treiben in Kappelns Fußgängerzone.

Müllers Café
Frau Cornelia genießt herrlichen Kuchen


Am späteren Nachmittag rauscht uns eine zum Glück nicht zu große dänische Najad in die Backbordseite. Der arme Teufel am Steuer hat sich mit der Strömung gründlich verschätzt. Gemeinsam schaffen wir es, das Boot ordentlich in die Box zu verholen. Dem Ehepaar in unserem Alter ist die Sache unendlich peinlich. Der angerichtete Schaden ist marginal, sie waren mit ihrem Anker auf unsere Fußreling gerauscht. Gescheppert hat es ordentlich.

Querströmung in Kappeln
quer zu den Boxen in Kappeln steht zeitweise ordentlicher Strom


6. Juli 2021

Auch am dritten Tag bleiben die Räder an Bord. Wir heben sie nicht gern über den Bugkorb nach draußen. Und hier in Kappeln schon gar nicht, denn der Steg liegt recht niedrig. Außerdem sind wir mit Frau Cornelias neuem E-Bike trotz meiner Umbauten nicht vollumfänglich zufrieden. Der Antrieb funktioniert nicht so wie er sollte. Der Motor arbeitet nicht gleichmäßig - er pumpt. Will heißen, dass er nicht gleichmäßig unterstützt sondern periodisch aussetzt.

Insofern ist es für Frau Cornelia kein reines Vergnügen zu radeln. Wir werden reklamieren müssen. Unschön ist auch, dass die arme Frau bei jeder Pedalumdrehung mit dem Hacken an den Schlossschlüssel stößt. Man hat die Lage des Speichenschlosses verändert, es ist wesentlich näher an das linke Pedal gerückt und der Schlüssel ist dummerweise nicht abziehbar.

Mit einem Wort: Ich bin heilfroh noch mit dem Vorgängermodel fahren zu dürfen.

Klappbrücke Kappeln
die Doppelklappbrücke in Kappeln


Statt zu radeln also, wandern wir ein wenig, unter anderem überqueren wir die Doppelklappbrücke über die Schlei und schauen uns interessiert eine Öffnung aus der Nähe an. Die Klappbrücke ersetzte 2002 die alte 1927 in Betrieb genommene Drehbrücke.

Reetgedecktes Haus in Kappeln
der Fischergang auf der anderen Schleiseite


Abends telefonieren wir mit Kind Annika und werden daran erinnert, dass sie am Wochenende mit Familie Urlaub in der Region machen wird. Wollen schauen, ob wir uns sehen können. Schön wär's ja.


7. Juli 2021

Richtig geben wollen wir es uns heute, auf Frau Cornelias Anregung hin gehen wir nach Damp, dem, nach meiner Vorstellung, Inbegriff des Grauens! Noch nie haben wir den Hafen und den Ort, der keiner ist, bereist. Der Name aber ist aus Reisekatalogen von Neckermann und Konsorten aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durchaus geläufig.

Damp Skyline
die Skyline von Damp


Als "Damp 2000" wurde die zweifelhafte Anlage damals überschwenglich vollmundig beworben, manch einer sprach bewundernd vom Benidorm Deutschlands. Wir wollen wissen was daraus geworden ist. Ich sage es schon jetzt und ohne Umschweife: Nichts Gutes!

Auslaufend aus der Schlei sehen wir die "Archimede". Sie kommt uns kurz vor Schleimünde entgegen. Die "Archimede" trafen wir in 2017 zum ersten Mal auf Borkum und später noch ein paar weitere Male. Mit dem Eigner aus Frankreich und seiner leicht überdrehten amerikanischen Freundin hatten wir durchaus angenehmen Kontakt. Sie war aus meiner Erinnerung nett anzusehen, leider aber dogmatische Nichtraucherin. Dieser Umstand schränkte unsere Kontakte ein, Einladungen auf die "Archimede" schlugen wir aus und trafen uns lieber auf neutralem Grund.

Damp Hafeneinfahrt
die Hafenmole


Damp erreichen wir nach kurzer und ereignisarmer Reise um 13:30 Uhr. Wir finden einen erträglichen Liegeplatz vor Kopf von Steg G. Das Liegegeld ist mit 23,-- Euro pro Tag im üblichen Rahmen, Strom und Wasser sind inklusive, insofern kann nicht geklagt werden. Der Hafen ist nichts anderes als eine große charmearme Sportbootmarina und ordentlich voll, es muss also ausreichend viele Zeitgenossen geben, die das Ambiente mögen. Es wird ein spezieller Gästebereich vorgehalten, der bei östlichen Winden recht unruhig sein soll. Ob das stimmt, kann ich gesichert nicht sagen, wir liegen im gut geschützten Innenbereich.

Damp Marina
wir haben Glück - liegen vor Kopf von Steg G


Nach dem obligatorischen Anlegekaffee begeben wir uns auf einen Erkundungsgang, wollen unsere üblen Vorurteile mit der Wirklichkeit abgleichen.

Dominiert wird der Ort von drei riesigen in Sternform erbauten Hochhauskomplexen, deutlich Hauruckarchitekteur der sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts nach dem Motto: Schön braucht nicht, hauptsache viele Betten auf engstmöglichen Raum. Wenn das tatsächlich die Vorgabe war, die Architekten haben sie vorbildlich grausam umgesetzt

Das "Damp 2000" der siebziger Jahre übrigens wurde 2011 umgetauft in "Ostsee Resort Damp". Es ist aber, die geneigte Leserschaft wird es vermutlich ähnlich sehen, nicht in allen Fällen so, dass ein Name, eine hochtrabende Bezeichnung der erlebten Qualität einen Schub nach vorn versetzt. Ein "Gute-Kita-Gesetz" schafft nicht automatisch Horte der Glückseeligen, der "Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik" würde zumindest von mir dem guten alten Lackierer mit profunder Berufserfahrung nicht notwendig vorgezogen, dem "Insurance Broker" würde ich etwas weniger Vertrauensvorschuß schenken als dem gesetzten Versicherungskaufmann.

Damp
Damp von hinten

Damp
die Farbkleckse werden Kunst am Bau sein


Wir umlaufen zwei der dreiflügeligen Hochhaussterne, wandern die in Teilen aufgehübschte Promenade ab und wenden uns Richtung Strand. Dort wird einiges geboten, Surfschulen, SUP-Vermietungen, Strandcafés, Spielplätze und Bars werben um die nicht wenigen Besucher, die ihre Nächte wohl zum guten Teil in den wahrscheinlich beengten Verhältnissen der drei großen Silos verbringen müssen. Darüber hinaus, so lesen wir auf großen Hinweistafeln, sind in den Hochhauskomplexen verschiedene Kliniken, Reha-Zentren und ein Internat untergebracht.

Strand Damp
Strandvergnügen


Zugegeben, für Kinder bietet insbesondere der Strand einiges an Vergnügungen, insofern ist es denkbar, das junge Familien hier einen entspannten und stressarmen Urlaub verleben können. Für Scheidungsanwälte ist das eine eher schlechte Nachricht.

Strand Damp
Kinderspaß


Irgendwann kommt Hunger auf. Wir prüfen das Restaurantangebot auf der Promenade. Vermutet hätten wir eine Unmenge an Betrieben, die sich der Verköstigung von Touristen verschrieben haben - weit gefehlt. Wir finden ein recht einladend gestaltetes Restaurant, die Tische seien auf Stunden reserviert, werden wir belehrt. Ein Pizzabäcker ist auf Google unglaublich schlecht besprochen, einen Selbstversuch ersparen wir uns.

Dann richtet sich unser Augenmerk auf ein recht großes Etablissement, "öffentliches Restaurant" nennt es sich selbst. Die Terasse ist riesig, einige Kellner stehen gelangweilt zwischen den überwiegend akkurat ausgerichteten Tischreihen. Gäste sind nicht zu sehen, nicht einer. Wir finden einen eher unscheinbaren Aushang:

"Öffnung 18:00 Uhr" steht darauf in deutlich klaren Buchstaben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger

Es ist 17:55, das erklärt die leeren Tische. Wir lassen den Blick schweifen, suchen einen Eingang und entdecken eine Traube von Menschen, nein es ist keine Traube, eine Schlange von geduldig anstehenden hungrigen Mäulern aller Alterskategorien hat sich in Viererreihen aufgestellt. Ein Ende der Menschenansammlung ist ohne weiteres für mich nicht auszumachen.

Warteschlange
Menschenmassen warten auf Einlaß


Frau Cornelia will es wissen, sie geht rüber zu der langen Reihe und wirft einen Blick über die Köpfe der stoisch Wartenden.

"Fünfzig Meter mindestens", meldet sie. Für uns ist das Thema erledigt, hier einreihen möchten wir uns nicht. Wir marschieren in den nahe gelegenen REWE-Markt, dem einzigen Lebensmittelgeschäft in Damp und erstehen zwei Tiefkühlpizzen eines Unternehmens, das mit der Herstellung von Backpulver großgeworden ist. Außerdem landet etwas frischer Salat im Einkaufsnetz von Frau Cornelia. Sie führt es immer bei sich. Für alle Fälle.

Abendessen
die Zutaten für unser schnelles Abendessen


Es wird ein gemütliches und auch schmackhaftes Abendessen an Bord. Später machen wir uns das gemeine Vergnügen und schauen, wie das "öffentliche Restaurant" von den mitteilungsbedürftigen Menschen auf einer überregionalen Karten-Plattform gesehen wird. Stellvertretend nur drei Zitate aus einer langen Reihe:

"War nicht so der Hit"

"Ich habe selten so schlecht gegessen!!! Hier gibt es nur TK und Fertigware.... Der Preis von € 25 ist unverschämt!"

"Schlechter Service! Gehen Sie lieber in einem anderen Restaurant essen."

Obwohl ich es ja aus eigener Anschauung nicht beurteilen kann, bin ich nach der Lektüre recht zuversichtlich, dass wir richtig gelegen haben mit unserer selbst aufgemotzten Pizza. Den Namen des Restaurants werde ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: Man hat sich dafür einer sehr nördlich liegenden Inselgruppe Norwegens bedient.


8. Juli 2021

Wir nutzen den zweiten Tag Damp für eine ausgedehnte Radtour in Deutschlands kleinste Stadt, nach Arnis. 280 Einwohner zählt der Ort und hat dennoch bis zum heutigen Tage Stadtrechte. Ein süßes kleines Städchen, stellen wir fest. Bislang waren wir nur mit dem Boot vorbeigefahren, hatten nie einen Stop eingelegt.

Schleifähre Arnis
die kleine Fähre über die Schlei in Arnis


Am späten Nachmittag leiht Frau Cornelia sich am Strand ein SUP. Sie sei gar nicht reingefallen in die Ostsee, vermeldet sie stolz.

"Ganz anders als Dein Rad, super!", ich kann es mir nicht verkneifen.

Wir wagen ein frühes Abendessen bei einer der Imbissbuden in Strandnähe. Es gibt "asiatische Nudeln"; gar nicht so schlecht und im Preis nicht verdorben. Während des Essens besprechen wir unsere Impfreise in die Heimat, am 13. Juli um 10:00 Uhr morgens habe ich meinen Spritzentermin.

Für ein Mietauto müßten wir nach Kiel wird klar, hier in der Region ist augenscheinlich nichts zu bekommen, schade, das würde mit unseren Kindertreffplänen in der Region Maasholm kollidieren.

Früher war ich recht findig, manchmal kommt davon noch etwas durch:

"Du", sag ich, "die Kinder reisen doch mit einem Wagen an. Ich könnte mir vorstellen, dass sie den für ein paar Tage entbehren könnten. Sie wollen doch, wenn ich es richtig veratanden habe, Strandurlaub machen. Am Strand, da braucht man kein Auto."

"Kannste doch nicht machen. Die werden das Auto selbst mal brauchen. Nee, nee", Frau Cornelia trägt Bedenken.

"Ich ruf sie an, werd versuchen, ihr das zu verkaufen."

Zurück auf der Kohinoor wähle ich:

"Hallo mein Annilein, du, mit unserem Treffen das gibt Probleme. Wir müssen doch ein Auto mieten. Wegen dem Impftermin. Und das können wir nur in Kiel. Morgen müssen wir dahin. Wegen Wochenende. Weißt schon. Obwohl, wenn wir vielleicht, verstehst Du, euer Auto für drei Tage haben könnten. Dann ginge es. Ich weiß aber nicht wie Ihr das seht. Vielleicht braucht Ihr es ja."

"Soll wohl klappen", sagt das Kind, "ich sprech mit Free und melde mich."

Fünf Minuten später klingelt es: "Geht klar, Samstag könnt ihr den Wagen abholen. Kein Thema."

"Okay, super. Dann gehen wir morgen nicht nach Kiel. Sehen uns. Danke."


9. Juli 2021

Endlich raus aus diesem Moloch, dieser architektonischen Gesamtsünde Damp. Wir laufen nach Maasholm am Begin der schönen Schlei. Einen tollen Platz finden wir am Außensteg. Perfekt um die Räder auszuladen. Besser konnte es nicht laufen.

Schleimünde
Schleimünde


Noch während des Kaffees telefoniere ich mit dem Versender von Rädern und Bootgszubehör, will endlich klären, wie es mit Frau Cornelias Rad weitergehen soll. Zwei Mails mit Fotos sind bislang unbeantwortet geblieben. Ich schildere mein Anliegen, man verbindet zum zuständigen Sachbearbeiter - erfolglos. Er sei wohl in der Mittagspause, man stelle einen Rückruf ein. Keine Sorge, ich würde gleich hören.

Ich hörte nichts. Und das lag nicht an meinem Mittagsschlaf. Frau Cornelia bewachte währenddessen mein Telefon. Gegen 16:30 versuche ich es erneut, lande in einer ... Warteschleife nennt man das wohl.

Mein Anruf sei ihnen besonders wichtig und ob ich schon wisse wieviel Pakete sie pro Tag versendeten und ob ich eventuell interessiert sei an ...?

Nein, ich will das nicht wissen, ich bin auch nicht interessiert an irgendetwas. Ich will diesen modernen Dreck nicht, diesen Wortmüll, der nichts als Zeit stiehlt.

Und dann meldet sich ein Mensch, keine unsymphatische Stimme. Es täte ihm leid, Herr Sachbearbeiter Soundso sei wohl schon im Feierabend. Warum er nicht zurückgerufen hätte, wie zugesagt? Das wisse er leider nicht, wahrscheinlich zuviel Arbeit, zuviel Stress. Die Arbeit sei anstrengend, ich könne das glauben.

Ich glaube das, natürlich. Möchte aber dennoch, dass Zusagen eingehalten werden. Ob man dafür auf Seiten von eines so renomierten Versenders Verständnis habe?

Ja natürlich, Montag, Montag meldet sich der Kollege, wird hoch und heilig versprochen.

Sörtebeker Maasholm
das Störtebeker


Sehr ordentliches Abendessen gibt es im Störtebeker, der Service ist freundlich.


10. Juli 2021

Dolle Radtour von guten zehn Kilometern längs der Küste zum Feriendomizil der Kinder. Sie haben ein schönes Ganzdachhaus in einem kleinen familiären Park gemietet, es ist einfach, aber ideal für Kinder. Reichlich Spielmöglichkeiten, wenige Schritte zum sandreichen Strand. Toll! Free kennt die Siedlung Golsmaas schon seit Kindertagen.

Nur-Dach-Haus
die Nur-Dach-Siedlung in Golsmaas


Am frühen Abend fahren wir zum Essen in Wackerballig. "Dat Strandhus" nennt sich das Restaurant. Unbedingt empfehlenswert der Laden. Gute Küche, engagiertes Personal dem augenscheinlich nichts zu viel ist.

Abendessen
gutes Abendessen in "Dat Strandhus" in Wackerballig


Als wir im vergangenen Jahr für eine Nacht im kleinen Hafen von Wackerballig lagen, war der Laden geschlossen - schade.

Die Räder lagern wir bei den Kindern ein und chaufieren mit Annikas Wagen zurück zum Schiff.


11. Juli 2021

Nichts außer einer strammen Wanderung, andere würden es voller Mitleid einen Spaziergang nennen, zum Naturerlebniszentrum Maasholm. Ganz klar war der Weg das Ziel, das Zentrum auf einem ausrangierten Militärgelände bietet deutlich Luft nach oben. Mein Eindruck: Planlos und wenig liebevoll zusammengehauen dieses Naturerlebniszentrum. Das Geld, welches wir vorab in die Spendenbettelbüchse steckten, wird vielleicht in Zukunft Früchte tragen. Trotzdem bin ich stolz auf meine Leistung: Dicke sechs Kilometer sind wir gelaufen.

Naturerlebniszentrum Maasholm
Naturerlebniszentrum Maasholm


12. Juli 2021

Schiff fertigmachen für drei Tage Abwesenheit, Ventile zu und was sonst so zu machen ist. Gute fünf Stunden schleppende Fahrt nach Melle. Ankunft gegen 17:00 Uhr. Zehn Minuten später, der erste Kaffee tropft eben aus der Maschine, klingelt mein Handytelefon. Der Sachbearbeiter für Fahrradreklamationen ist am Telefon. Er habe zurückrufen sollen, leitet er das Gespräch ein.

Ich erspare ihm eine angemessene Replik und beginne die Probleme mit Frau Cornelias Neuerwerbung zu schildern.

Er kenne das Problem, sagt der Mann, ich sei nicht der Erste mit dem Problem. Es gäbe schon sechs Reklamationen, sie seien der Lösung auf der Spur. Ich möge bitte entschuldigen.

Insgesamt ein angenehm zielführendes Gespräch führen wir. Die Idee, das Rad zur Reparatur zurückzusenden, halte ich nicht für gut. Es würde uns zu lange an einen Hafen binden und erhebliche Kosten für den Händler bedeuten. Ich schlage vor, nach endgültiger Klärung des Reparaturbedarfs die notwendigen Teile an mich zu versenden. Die Montage würde ich dann übernehmen. So wollen wir es machen, wir sind uns da einig.

Zum Schluss sprechen wir noch über das merkwürdig montierte Schloss und den Schlüssel, der dem linken Fuß beim Treten im Wege ist.

Oh, das sei noch gar nicht aufgefallen. Der Lieferung an mich würde natürlich auch ein neues Schloss beigefügt, eines bei dem sich der Schlüssel abziehen lasse. Im übrigen würde er sich bei mir melden sobald er Gewissheit habe.

So weit, so gut. Auf Wiederhören.

Was ich vergaß: Das SUP ist geliefert worden, Frau Cornelia packt es aus - ist hochzufrieden und glücklich. Es wird als erstes im Auto verstaut. Nicht das es vergessen wird.


13. Juli 2021

Ich laufe pünktlich bei Frau Doktor auf, die Spritze ist schnell gesetzt. Jetzt noch 14 Tage, dann ist der Impfschutz vollständig. Hurra!

Abends sind wir bei Nico und Galina verabredet mit Daggi, Harald, Cordula, Christian und Verena. Wir essen Tappas, haben einen schönen Abend an unserem Wunschtisch mit Infrarotstrahler. Brauchen tun wir ihn nicht.


14. Juli 2021

Zurück nach Maasholm, wir kommen besser durch als auf der Hinfahrt. Selbst der Elbtunnel kostet kaum Zeit. Im Hafen laden wir zwei Transportwagen mit unseren Schätzen voll. Natürlich hat Frau Cornelia den Heimaufendhalt genutzt um zu waschen. Auch Proviant haben wir beschafft. Es kann weitergehen. Noch am Nachmittag wird das SUP eingeweiht - sturzfrei. Die verdammte Solardusche auf dem Vorschiff bleibt ungenutzt. Auf jeden Fall werde ich berichten, sobald sie zum Einsatz kommt.

SUP
vor dem Vergnügen ist Arbeit

Probefahrt
ein erster Test


15. Juli 2021

Der Tag ist im wesentlichen frei, um fünf sind wir zum Grillen bei Anni und Free in Golsmaas eingeladen, wir haben einen schön familiären Abend mit Kind, Schwiegersohn und den Enkeln. Abends um zehn sitzen wir wieder auf unserem Schiff, die Räder sind auf dem Deck verzurrt, das SUP gelascht, es wird mir einen guten Teil der Sicht nach vorn nehmen.

Baum am Deich
auf dem Rückweg von Golmaas nach Maasholm


16. Juli 2021

Schleimünde
Adieu Schlei. Es geht nach Laboe


Adieu Maasholm, wir machen einen Schlag nach Laboe in die "Baltic Bay", nicht unser Lieblingshafen, aber was soll's.

Eben als wir die Schleimündung passieren, kommt eine Notfallmeldung auf Kanal 16 herein. Ein Segler meldet, dass soeben die Hochspannungsleitung am Rabelsund von einem Schwimmbagger touchiert wurde. Alle Leitungen seien zerrissen und hingen ins Wasser. Ob es Verletzte gegeben habe, könne er nicht einschätzen. Kurz darauf wird die Schlei komplett gesperrt, wie der Revierfunk mitteilt. Der Bagger war wohl auf dem Rückweg von einem Reparatureinsatz an der Lindaunisbrücke. Warum er seinen Ausleger auf einer Höhe von mehr als 37 Metern durch die Gegend fährt, ist mir nicht erklärlich. Da wir es eine Menge Arbeit geben in den nächsten Wochen.

Der Törn ansonsten ist angenehm, also lohnt es sich. Der Abend ist weniger erquicklich. Am Nachmittag versuchte Frau Cornelia einen Tisch beim Hafenitaliener zu reservieren. Die Küche dort ist nicht schlecht, weiß ich aus der Vergangenheit.

Man reserviere nicht auf der Terasse, wurde sie beschieden, wir sollten doch einfach kommen, dann ergäbe sich etwas.

Um halb sieben marschieren wir los, stellen uns an die Einlasskontrolle, deutlich sichbar auf ein Zugangs-Okay wartend. Die Terrasse ist gut zur Hälfte mit Publikum gefüllt. Kellner laufen auf und ab, nie aber auf uns zu. Man beachtet uns partout nicht, unser Winken und zugegeben nicht zu lautes Rufen ist erfolglos. Nach kleinen zehn Minuten hat Frau Cornelia die Schnautze voll - etwas eher als ich. Sie greift meinen linken Arm und zieht mich weg:

"Hier nicht, hier essen wir nie wieder."

So, genau das haben sie von ihrer Arroganz bei der "Casa Tripaldi"!


17. Juli 2021

Ziel ist Orth auf Fehmarn, es verspricht ein schöner Segeltag zu werden, ich rechne mit Backstagwind so um vier Beaufort. Um viertel nach zehn knüpfen wir die Leinen los und schieben uns aus dem Hafen. Aus dem gemütlichen Segeltag wird nix, Wind und dessen Richtung stimmen annähernd, nur die See dazu, die paßt so gar nicht. Sie ist deutlich zu hoch für den Wind und läuft nahezu quer zur Windrichtung. Es rollt und rumpelt so, dass auch ich unzufrieden bin mit der Fahrt, Frau Cornelia ist deutlich ungehalten. Eine ruhige und schöne Tour hätte ich doch versprochen. Nie sei auf mich Verlaß!

Segeln nach Orth
es rumpelt auf der Tour nach Orth


Um 16:40 Uhr sind wir durch damit und machen im schönen Orth fest. Während der letzten Stunden bließ es mit deutlich mehr als vier.

Orth Hafenmole
die Mole Orth voraus


18. Juli 2021

Wir sind zurück am Anfang des Kapitels, der Wind ist heftig, wir liegen gut geschützt durch die Bäume im Westen und zusätzlich durch die Minna, an der wir festgemacht haben.

Das Duschwasser ist warm, die Gasflasche ist längst getauscht, das Frühstück danach gemütlich genossen und der "Power-Block" streikt. Zum ersten Mal nach wirklich langer Zeit.

"Piep, Piep, Piep", also warnt der Piezo-Summer, die LED "Störung" blinkt hecktisch, das Anzeigetableau meldet:

"Öldruck zu gering!"

Auf beinahe alles hab ich jetzt Lust, nur nicht auf's Schrauben. Schrauben tu' ich eigentlich gern, nur nicht im Urlaub. Aber bitte, was soll ich machen, unser Strombedarf ist durchaus erheblich, ohne den Generator wird es eng, sehr eng bis übermorgen früh, der geplanten Weiterreise.

Also ran Alter, hoch den Arsch, Du kennst das Ding doch aus dem eff eff. Hast es doch gebaut.

Ich starte noch mal. Vielleicht. Aber nein. Das Ding geht sofort auf Störung:

"Öldruck zu gering"

Ich steige runter in die Backskiste, prüfe das Öl, schaue nach Kabelbrüchen, dem Öldruckschalter, alles ist Bestens, nichts zu finden. Klappe wieder zu, raus aus der Kiste und das Schalttableau durchsehen. Nichts zu finden.

Neu Starten.

Läuft! Für fünf Minuten. Dann ist wieder Schluß. Verdammt!

Ich mach' den Bordrechner an - lade das Überwachungsprogramm für den "Power-Block", warte eine Weile und starte wieder. Er springt sofort an - und läuft. Die Daten, die über den Bildschirm rollen, sind in Ordnung. Es gibt keinen Fehler. Und solche Fehler sind die blödesten, man kann nichts eingrenzen, verdammt.

Ich lese weiter aus. Eine ganze Stunde lang. Es ist nichts, zumindestens ist nichts zu sehen. Der Öldruck ist gut, die Ladeleistung stimmt, alle anderen Werte sind normal. Unglaublich, aber es ist so, der Bursche läuft wie immer.

Also, was willst Du Alter. Vielleicht bist Du nicht mehr so gut in der Fehleranalyse, vielleicht reparierst Du nicht mehr so gut wie früher einmal, dafür aber hast Du Glück. Nimm es als Wunderheilung, als Kompensation für Deine Defizite. Eingebildet oder nicht.

Okay, ich hab' mich abgefunden, hab' auf die innere Stimme gehört und bin in Summe zufrieden. Wir können weiter Strom machen und Frau Cornelia wird zufrieden sein. Wenn's so bleibt.

"Power-Block" schnurrt weiter vor sich hin als sei nichts gewesen. Wir sind zufrieden. Der Wind ist nach wie vor heftig aus West bis Nordwest. Kind Annika ruft an. Sie will uns besuchen mit den Kindern, fragt, ob es genehm sei, ob wir sie schon wieder sehen wollen nach so wenigen Tagen?

Natürlich ist es genehm. Wir verabreden uns für morgen in Grömitz weil wir denken, dass es dort für die Kleinen am schönsten ist, netten Strand gibt es dort direkt neben dem Hafen und etliche Spielmöglichkeiten. Wir sind keine Grömitzfreunde - aber für die Enkel? Selbstverständlich.

Surfer
die haben Spaß


Wir laufen auf die Mole, halten die Nasen in den Wind, schauen den Surfern zu, stromern durchs Dorf. Der Hafen ist noch immer voll. Wir haben es gemütlich. Wir haben warmes Wasser, wir haben Strom. Ganz ohne Kabel. Morgen geht es nach Grömitz.


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