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Kurze Wochen 21


29.06.2021 | © pt

Reise '21, Teil 2


Gemächlich geht es weiter
22. - 26. Juni



22. Juni 2021

Um 09:40 Uhr verlassen Frau Cornelia und ich den Liegeplatz im Garten der Eider-Marina.

Gestern Nachmittag hab ich noch eine ordentliche halbe Stunde mit der Hafenmeisterin geklönt und mir ein bisschen über die Geschichte des Vereins erzählen lassen. Nebenbei berichtete sie, dass sie nie, niemals wieder in das gestern von uns besuchte Brückencafé gehen würde. Der Service sei, vorsichtig formuliert, unterirdisch. So gleichen sich doch manchmal die Erfahrungen.

Rendsburg Liegeplatz
so gemütlich liegen wir in Rendsburg

Eider Marina
das Vereinshäuschen am Liegeplatz

Direkt am Übergang der Obereider in den Kanal befindet sich ein Ableger der Lürssen-Werft. Hier erleben wir just in dem Moment als wir vorbeilaufen, den Stapellauf einer Yacht, die bezüglich ihrer Dimensionen und sicher auch der späteren Ausstattung wegen, weit jenseits jedweder Neidgrenze angesiedelt ist.

Stapellauf bei Lürssen
Stapellauf bei Lürssen

Wir durchfahren ab Rendsburg den für mich schöneren Teil des NOK, der übrigens noch bis 1948 Kaiser-Wilhelm-Kanal hieß. Die zehn Brücken über den Kanal haben eine Durchfahrtshöhe von 42 Metern, die Kanaltiefe beträgt 11 Meter. Nach acht Jahren Bauzeit wurde der Nord-Ostsee-Kanal im Juni des Jahres 1895 durch Kaiser Wilhelm II. eröffnet.

Hier auf dem östlichen Teil der Wasserstraße gibt es mehr zu sehen als auf den ersten rund sechzig Kilometern, milde Hügel, kleine Siedlungen, Wiesen und Äcker wechseln sich ab, wir ziehen mit unserer Marschgeschwindigkeit von eben sechs Knoten durchs Land.

NOK Ostteil
Siedlung am NOK

Der Verkehr ist immer noch weniger als vor Corona, verstehe das wer will. Und übrigens, die Passage für Sportboote ist wie im vergangenen Jahr kostenlos. Ich fasse das nicht. Der Obulus, der früher zu entrichten war, war in keinem Fall zu hoch. Aber begreife irgendjemand den Scheuer Andi.

Irgendwo zwischen Rendsburg und Kiel kommt uns eine historische Augenweide entgegen, der Raddampfer Freya macht hier auf dem NOK regelmäßige Ausflugsfahrten.

Raddampfer Freya
der Raddampfer Freya

Vom Stapel lief die Freya 1905 in den Niederlanden und versah in Zeeland Fährdienste zwischen dem Festland und den Schelde-Inseln. Ab 1907 avancierte der Dampfer zur königlichen Yacht von Chefin Wilhelmina und verkehrte auf den niederländischen Binnengewässern. Bis die Freya 2005 Kiel als Heimathafen bekam, hat sie eine höchst wechselvolle Geschichte hinter sich gebracht. 1988 wurde sie von irgendeinem weitsichtigen Zeitgenossen sogar vor dem Abwracker gerettet. Ein Glücksfall, wie ich finde.

NOK
der östliche Nord-Ostsee-Kanal

Ein paar Worte zum Wetter, für mich ist es ideal, so um 21 Grad, wenig Sonne, perfekt also, um durch den Kanal zu tuckern.

Inklusive einer unproblematischen und mit wenig Wartezeit verbundenen Schleusung in Holtenau brauchen wir viereinhalb Stunden, dann haben wir unser Tagesziel erreicht.

Die kurze Wartezeit vor den Schleusen verbringen wir gemeinsam mit einem holländischen Päckchenlieger. Frau Cornelia gibt eine Runde Kaffee aus unserer Senseo für alle aus. Die Hölländer sind mutig, sie planen Südschweden, für uns ist es gemäß der Vorgaben der Admiralin vorläufig Schleswig-Holstein und sonst gar nichts.

Kanalschleusen in Holtenau
Blick auf die NOK-Schleusen in Holtenau von See

Anders als die allermeisten Anderen wenden wir uns nach den Schleusen nach rechts, laufen also nach Süden, direkt nach Kiel. Hier haben wir im letzten Jahr bei Mistwetter eine ganze Woche verbracht und festgestellt, dass Kiel eine durchaus spannend tolle Stadt ist. Im vergangenen Jahr war das Wetter schuld, jetzt sind es die Karten, die noch nicht rundlaufen.

Aber, und ich glaube das vorläufig ganz fest, Federica und der durchaus kompetent scheinende Mann bei AWN-Kiel haben versprochen, dass es laufen wird nach dem körperlichen Update auf neuen SD-Karten.

Wir gehen in den Düsternbrookhafen und finden ein tollen Liegeplatz mit wenig Schwell. Letztes Jahr im winzig kleinen Sporthafen Seeburg war das anders, da schwappte die Kaffeetasse schon mal über. Unbedingter Vorteil damals war: In die Stadt ging es wesentlich fixer.

Unser Deck und Steg liegen auf nahezu gleichem Niveau, die Räder können ohne jede Mühe von Bord - ein echter Haupttreffer für den Steuermann. Das Liegegeld ist wie im letzten Jahr mit 20 Euro moderat.

Düsternbrookhafen
der Düsternbrookhafen direkt gegenüber dem Institut für Weltwirtschaft,

Kohinoor in Kiel
ein sehr angenehmer Liegeplatz

Es gibt wie immer einen Anlegekaffee und kleine Küchlein. Das nach der wenig aufregenden Kanalreise verdiente Abendessen planen wir im Banmaai. Durch Zufall haben wir das thailändische Restaurant im letzten Jahr gefunden, wir fuhren auf Befehl von Frau Cornelia zu einem Fahrradhändler, um Helme zu kaufen. Man isst dort ausgesprochen lecker und wird zuvorkommend freundlich bedient. Mit dem Rad sind es vom Hafen zum Restaurant kleine zehn Minuten.

Nach einer herrlichen Vorspeise gibt es für Frau Cornelia süß-saure Ente und für mich ein gelbes Curry, ebenfalls mit Ente. Für Interessierte, das Banmaai liegt an der Brunswiker Straße. Ich denke, ich darf das hier verraten und versichere ehrenwörtlich, für diese Reclame keine, wie auch immer geartete Gegenleistung zu erhalten.

Banmaai, Kiel
das Banmaai

Noch eben zu den Helmen: Ich stehe eigentlich auf dem Standpunkt, dass über sechzigjährige, die zudem nicht mehr im Arbeitsleben stehen, keiner von Frau Cornelia verordneter Helmpflicht unterliegen sollten.

Aber wie so häufig, durchsetzen konnte ich mich mit meiner Auffassung nicht.

Bevor wir zum Essen fuhren, schrieb ich noch eben eine Mail an meinen Kartenansprechpartner bei AWN-Kiel, meldete uns für morgen gegen Mittag an und fügte die letzten Updateanweisungen von Federica bei. Ich hatte sie gestern oder vorgestern bekommen.


23. - 25. Juni 2021 Hafentage Kiel

Heute wollen wir uns um die Karten von Navionics kümmern. Außerdem steht der Tausch einer Gasflasche auf dem Programm, wir kochen mit CampingGaz, der mit Abstand teuersten Methode, Essen zuzubereiten. Darüber hinaus wünscht sich Frau Cornelia Packtaschen für die Bordräder, Einkäufe ließen sich so deutlich bequemer und auch sicherer transportieren als auf den Gepäckträgern und in den Lenkerkörben, sagt sie. Und sie hat recht damit.

Zuerst weist uns Frau Cornelias Telefon den Weg zu AWN. Nach runden 20 Minuten stehen wir auf dem Parkplatz, wenig später im recht großen Laden des eigentlich Hamburger Versenders. Herr Soundso käme gleich, einen kleinen Moment bitte mögen wir uns gedulden. Für uns Zeit, uns umzusehen und das Angebot des Yachtausrüsters zu begutachten. Es fällt auf, dass viele Regale schlecht gefüllt sind. Produkte, die laut Preisbeschilderung angeboten werden, sind körperlich nicht vorhanden.

Komisch, das macht einen irgendwie abgehenden Eindruck, einen, der nicht zum Stöbern einlädt. Uns soll es egal sein, wir wollen nur Karten kaufen - nichts anderes.

Raddampfer Freya
der Kartenhändler, recht weit entfernt vom Hafen

Und dann merke ich, dass das gar nicht stimmt. Frau Cornelia wandert durch die Regalreihen, ihr Blick schweift in die Fächer, zumindest in die, die Inhalt haben. Ich stehe mehr rum - wartend. Sie kommt auf ihrem Streifgang in meine Richtung und klärt mich auf:

Sie suche eine Dusche, ich wisse schon, so eine wie Jörg sie hätte, wo man Wasser reintäte und das würde dann warm von der Sonne und man könne draußen duschen.

"Häh? Wir haben doch 'ne Dusche im Schiff. Warum bitte denn draußen duschen?"

Na, wenn sie mit dem SUP unterwegs gewesen sei, wolle sie sich doch abduschen können, draußen, anfangs würde sie doch sicher immer ins Wasser fallen und dann wäre abduschen eine gute Idee. Sie wolle doch nicht mit dem Salzwasser am Körper durchs Schiff laufen und alles volltropfen.

Oh ha, mir fällt es wieder ein. Wir hatten einige Male drüber gesprochen. Sie wünscht sich ein "Stand Up Paddling-Board", so ein instabiles Ding auf dem man unbequem wackelnd steht und mit einem Stechpaddel für Vortrieb sorgt, sofern man nicht gerade in den Bach gefallen ist und versucht, sich auf das Ding zurückzuquälen. Nichts für alte dicke und faule Männer wie mich.

Aber bitte, Frau Cornelia ist viel jünger und von sportlicher Statur. Vielleicht mag das stehende Paddeln da das richtige sein.

Sagen tue ich, dass sie doch erst einmal probepaddeln solle, irgendwo würde sich eine Gelegenheit ergeben, und dann, wenn sie wisse, dass ihr diese Art der Fortbewegung wirklich Freude bereiten würde, in Accessoires investieren.

"Ach, so eine Dusche kann ja nicht teuer sein. Und die kann man ja auch sonst gebrauchen. Ich frage nachher mal nach."

Ich denke so ganz leise vor mich hin: Noch mehr Krempel auf dem Schiff, eine Dusche, die nie gebraucht werden wird und so ein Plastikding, dass totsicher an die Reeling gebunden werden soll und mir die Sicht nimmt. Unser Fachberater kommt auf mich zu, schon deshalb vertiefen wir das Thema nicht weiter.

Es täte ihm leid, sagt er, die Rohlinge für Updats von Navionics-Karten hätte er nicht im Vorrat, ja, die Email von Federica hätte er gelesen, aber zu spät. Er könne nur mit neuen Karten dienen.

Ich beschließe kurz nachdenkend, dass ich mich auf keinen Fall länger über dieses tagelange Kartenfiasko ärgern werde und willige ein. Der freundliche Technikverkäufer macht mir die Karten auf zwei Rohlingen fertig, wir klönen nebenbei ein wenig über die jetzt schon lange währende Kartenodyssee.

Meine abschließenden Worte:

"Wenns jetzt immer noch nicht läuft mit den Dingern, dann komm' ich wieder und zünd' euch die Hütte an."

Da hätten Andere sicher ähnliche Gedanken. Insofern solle ich mich beeilen, sonst käme mir mit Pech jemand zuvor. Aber im Ernst, er glaube, dass jetzt alles laufen müsse.

Humor hat der Mann. Und ich habe deutlich mehr Geld ausgegeben als eigentlich geplant. Aber es bleibt dabei. Ich werde mich nicht ärgern. Und nach deutlich fünf Jahren ganz neue Karten - es paßt schon. Wir ziehen weiter zum Gashändler. Gefunden haben wir ihn im letzten Jahr. Er bot das CampingGaz zu wirklich vernünftigen Konditionen an, in etwa zum gleichen Preis wie Krämer Ralf.

Das hat sich geändert. Für die drei Kilo Gas ruft er nun runde 30 Euro auf. Die Energiesteuer, und und und. Ich müsse verstehen!

Ich verstehe. Andere kassieren inzwischen 35 Euro und mehr für die Flasche. Ist also okay.

Über Stock und Stein radeln wir zum von Frau Cornelia ausgesuchten Packtaschenhändler. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes durch die Wallachei. Manchmal zweifele ich ein wenig an Googles Ortskenntnis, letztendlich aber kommen wir genau dort an, wo Frau Cornelias Wunschgeschäft liegt.

Raddampfer Freya
viel Wald in Kiel

Wir werden hochgradig überrascht. Ein junger Mann mit russischen Wurzeln bedient uns so vollkommen perfekt und mir völliger Hingabe, dass uns dauerhaft der Mund offensteht.

Man könnte hier und schauen Sie dort, das kann man einstellen, nein warten Sie, ich hab da noch etwas anderes, das könnte noch besser passen. Und nun fahren Sie mal ein Stück, sehen, ob es wirklich geht, ob die Hacken nicht an die Taschen stoßen. Ja natürlich, in Schwarz hab ich die auch, warten Sie, ich hole sie eben. Nein, die andere paßte doch besser, ich bau' sie nochmal an.

Kurz gesagt, es ist ein Genuß, der Mann hat es wirklich drauf. Er macht einen tollen Job und wir fahren völlig zufrieden mit zwei super Taschen vondannen. So ein Service ist verdammt selten - leider. Träfe man ihn häufiger an, ja dann brauchte der stationäre Handel nicht ganz so schreckliche Angst vor dem Internet zu haben. Ist aber nur meine Meinung und insofern nicht repäsentativ.

Zurück zum Boot. Es gibt Kaffee und irgendwas. Recht spät ist es schon. Ich schiebe die Karten in die Schächte vom Raymarineplotter.

Und siehste: Keine Tiefenlinien, keine metrischen Tiefenangaben. Ansonsten sind die Karten topp. Ich werd weich, will mich aber nicht ärgern - auf keinen Fall. Ich wähle die Nummer von AWN, einmal, fünfmal, zehnmal. Kein Erfolg, niemand geht ans Telefon. Obwohl: Feierabend ist noch nicht. Der Laden ist bis sieben Uhr geöffnet. Also eine Mail an meinen Ansprechpartner. Wenigstens mitteilen möchte ich Ihm, dass er morgen nicht zur Arbeit zu erscheinen braucht. Weil ich doch den Laden anzünden werde, spätestens heute Nacht.

Um kurz nach sieben klingelt mein Handy, AWN, Herr Sowieso. Er habe kurz vor Feierabend meine Mail gelesen und riefe von seinem privaten Handy an, ja mit dem Anrufen bei der Firma sei es schwierig. Er wisse das. Aber naja, ändern könne er es nicht. Und mit den Karten? Seiner Meinug nach könne das nun nur noch am Plotter liegen.

Mein Einwand: Mit den alten Karten habe es doch funktioniert, warum um alle Welt nicht mit den neuen? Da muss doch was geändert worden sein bei Navionics.

Einen Versuch sei es trotzdem wert, sagt der Mann. Er gäbe mir jetzt die Durchwahl eines Servicemannes, mit dem bitte solle ich sprechen, nein, nicht mehr heute, aber gleich morgen früh. Er sei sicher, der würde sich kümmern.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - dann eben leg ich heute kein Feuer. Aber warte! Wenn!

Es bleibt dabei, geärgert wird sich nicht, wir gehen zum Essen, ganz in der Nähe ins Restaurant Nordwind auf der Promenade, kommen in einen weitgehend offenen Wintergarten mit einigen freien Tischen.

Wir grüßen, wünschen einen "Guten Abend". Ob wir hier einen Aschenbecher bekämen, rauchen dürften?

Nein, auf keinen Fall, hier "drinnen" würde nicht geraucht. Draußen, draußen könnten wir uns einen Tisch suchen, heißt es geschäftsmäßig und nur mittelfreundlich.

Wir suchen und finden den einizigen Tisch unter einem Schirm, es könnte bald ein wenig tröpfeln, da wollen wir gern vorbeugen. Alle anderen Tische hier auf der Terrasse wären bei Regen ein feuchtes Vergnügen. Regen und Essen gleichzeitig liegt uns nicht. Da sind wir völlig anders drauf, als dazumals Rudi Carell und Beatrice Richter. Ist bekannt, oder? Der Sketsch. Schlecht aus heutiger Sicht, damals in den siebziger oder achtziger Jahren lustig.

Zurück zum Tisch: Er ist nicht abgeräumt, zwei Gläser und wenn ich mich recht erinnere, ein Flasche stehen drauf. Uns stört das nicht. In solchen Dingen sind wir nicht pingelig. Wir schieben die leeren Dinge an die Tischkannte. So, dass sie gut abgeräumt werden können und setzen uns.

Wir sitzen und warten. Hin und wieder laufen Bedienungen in geringer Entfernung an uns vorbei - sie nehmen keinerlei Notiz von uns. Nicht von uns und auch nicht von den leeren Gegenständen auf dem Tisch. Wir versichern uns gegenseitig der Tatsache, dass wir für den jeweils anderen sichtbar sind. Aber was hilft es wenn die, von denen wir was wollen, uns nicht sehen.

Eine gute Weile können wir uns mit der Karte beschäftigen, die wir auf dem Tisch vorfinden. Wir wissen bald was wir bestellen würden, wenn man uns denn fragen würde. Nach guten zwanzig Minuten tritt das blonde Jüngelchen, das uns vorhin im Wintergarten so wenig enthusiastisch begrüßt hat, an unseren Tisch:

Ob wir noch Wünsche hätten, werden wir gefragt.

Gern gäben wir jetzt endlich eine Bestellung auf, anwortet Frau Cornelia auffallend freundlich.

Ach, kommt es vom Jüngelchen zurück, er hätte geglaubt, wir wollten zahlen.

Frau Cornelia wird bestimmter, schließlich hätte er, der Kellner uns doch begrüßt, nicht freundlich, aber immerhin begrüßt beim Reinkommen. Sie wundere sich doch schon ein wenig, wie er, der Kellner auf die Idee käme, wir würden zahlen wollen.

Ja, schließlich stünde auf dem Tisch benutztes Geschirr, da läge der Gedanke doch nicht fern. Schließlich, und das müssten wir doch wissen, setze man sich doch auf keinen Fall an einen Tisch, der noch nicht abgedeckt sei. Geradezu unhöflich sei das!

Mir klappt die Kinnlade runter, aber ich schweige, nach Diskussion ist mir gerade nicht.

Frau Cornelia wird ungehaltener: Wenn kein anderer regensicherer Tisch frei sei, sei es doch wohl selbstverständlich, dass man einen noch nicht abgedeckten Tisch wähle. Allerdings würde sie dringend erwarten, dass ein solcher Tisch zügig abgeräumt würde. Ganz sicher dann, wenn man wie wir, beim Reinkommen deutlich wahrgenommen worden sei.

Der Kellner überlegt deutlich an einer Replik, ich beginne meinen Krempel zusammenzuräumen, bin bereit aufzustehen und zu gehen, da spricht Frau Cornelia weiter:

"So, und jetzt möchte ich bestellen. Mir bringen Sie bitte eine Weinschorle und einen Salat Soundso."

Keinesfalls will ich sie bloßstellen, bleibe also sitzen und gebe meine Bestellung auf, es ist okay, schließlich hab' ich auch Hunger.

Der Junge zieht von dannen, die Getränke kommen quasi unmittelbar. Gebracht werden sie von einer jungen Frau.

"Der Junge kommt hier nicht wieder", sage ich zu Frau Cornelia und habe mich gewaltig getäuscht. Er bringt nach einigen Minuten das Essen und wünscht einen guten Appetit.

"Einen Moment", sage ich, wenn wir dann schon geblieben sind, will ich mich doch auch eben äußern:

"Für hinter den Spiegel zu stecken, junger Mann", fahre ich fort. "Ob Sie ihr Handwerk gelernt haben, weiß ich nicht. Nachdem, was Sie hier eben geboten haben, glaube ich das allerdings kaum. Denn Sie wüßten als ausgebildete Kraft zweierlei, nämlich dass der Gast beinahe immer recht hat, zum einen und zum anderen, dass Gäste grundsätzlich und immer höflich, zuvorkommend und freundlich zu behandeln sind. Nur dann besteht die Chance, dass sie wiederkommen und dauerhaft für Ihren Lohn sorgen.

Und auch wenn Sie hier überwiegend doofe Touris wie uns zu Gast haben werden, sind die doch wahrscheinlich nicht zu blöd, über negative Erlebnisse laut und unter Namensnennung zu reden. Von meiner Seite war es das. Machen Sie was draus oder lassen Sie es. Mir ist es gleich."

Ja, entgegnet er, er hätte drüber nachgedacht in den vergangenen Minuten. Er hätte sich tatsächlich in keiner Weise richtig verhalten. Es täte ihm wirklich leid und er würde sich in aller Form entschuldigen wollen.

Wir nehmen die Entschuldugung an, Frau Cornelias Essen war in Ordnung, mein Schnitzel ein Stück tiefgekühltes Retortenfleisch geringer Qualität. Dafür aber kann der Junge nichts.

Ein neuer Tag, der Kampf um die Seekarten geht weiter, ich telefoniere mit dem empfohlenen Mann von Raymarine in Hamburg, schildere meine Probleme.

Ein Fall, sagt er, der ihm noch nicht untergekommen sei. Er empfiehlt, und das sei aus seiner Sicht die einzige Möglichkeit, das Gerät komplett plattzumachen und neu aufzusetzen. Manchmal passierten Dinge, die der normale Mensch nicht für möglich hielte. Und bitte im Zusammenhang mit Computern, und der Plotter sei nichts anderes als ein Computer, keine W-Fragen. Ich möge diese Belehrung bitte nicht übelnehmen.

Anmerkung des Verfassers: W-Fragen sind solche, die mit mit wieso, warum, weshalb beginnen.

Ich setze mich hin und tue wie geheißen. Und siehe da: jetzt läuft das Ding. Die Karten werden vollständig angezeigt. Inklusive Tiefenlinien. Weshalb? Ich frag' nicht nach. Aber den Mann bei AWN ruf ich an: Die Gefahr der Feuersbrunst in seinem Unternehmen sei gebannt. Und danke für den Tipp!

Navionicskarte auf Raymarineplotter
Tiefenlinien, Tiefenangaben - alles da

Es ist noch nicht vorbei. Es geht noch weiter. Wir fahren in die Stadt, den Plotter lassen wir an. Als wir zurückkommen ist er aus. Ich bin sicher: ich hatte ihn nicht ausgeschaltet. Aber bitte, dann eben wieder anschalten. Pustekuchen. Nix geht. Das Gerät reagiert in keiner Weise.

Ich prüfe die Sicherung. Ist drin. Die Versorgungsspannung. Liegt an. Löse den Blendrahmen, schraube den Kasten aus der Halterung. Äußerlich ist alles gut. Ich rufe an bei André in Weener. Ob er 'ne Idee hätte?

"Nee", sagt der, "nimm das Ding von der Spannung und lass' es liegen bis morgen. Vielleicht hilft es."

Da mir nichts besseres einfällt, folge ich seinem Rat. Nachts um zwei kann ich nicht mehr abwarten. Ich schalte den Plotter ein. Er läuft als sei nie was gewesen. Keine W-Fragen bitte.

Ich sag es schon jetzt: Seitdem ist alles gut.

Der Folgetag ist Urlaub für mich. Wir gehen in die Stadt und machen dies und das. Es ist gemütlich. Urlaub eben.



26. Juni 2021

In Eckernförde waren wir lange nicht mehr. Wir gehen nach Eckernförde. Ist Schleswig-Holstein und deshalb erlaubt. Die Fahrt ist wenig aufregend, das Wasser nahezu spiegelglatt, wir brauchen bei 1.800 Motorumdrehungen viereinhalb Stunden, dann liegen wir am Außensteg des Stadthafens.

MarineTraffic
unsrere Route aufgezeichnet von MarineTraffic

Beim Festmachen hilft eine freundliche knapp mittelalte Dame. Später lernen wir sie als Annika kennen.

Um es gleich vorweg zu sagen: bleiben werden wir eine ganze Woche! Und es läuft nicht nur mit.


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