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Satellitenfernsehen auf Yachten

05-2016 | © pt

Deutsches Fern­seh­pro­gramm, auch im Aus­land, war der Wunsch. Wie war er zu erfüllen, ausser durch Installation einer selbst­nach­füh­ren­den Sa­tel­li­ten­schüs­sel? Ich hab's ge­wagt und bin der Meinung, dass es gar nicht so sehr auffällt. Funktionieren tut es auch.


Satellitenschüssel auf 38 Fuss Segelyacht

Zugegeben - bezahlbar ist natürlich relativ. Was dem einen zuviel, schreckt den anderen in keiner Weise. Ich zumindest war überrascht, wie preiswert am Schluss der Umstieg vom DVBT-Empfang zum Satellitenfernsehen gelang. Darum zuerst zu den Kosten:

Intellian Satelliten TV-Antenne i3L Singel LNB € 1.999,--
Bau einer Halterung am Radarmast runde € 200,--
Kleinmaterial aus Bootsvorrat € 0,--

Satellitenschüssel am Radarmast
Die Schüssel ist am Radarmast montiert.

So, das geldliche haben wir schon mal. Es belief sich (Stand 2016) auf eben 2.200,-- Euro. Dafür gab es die Antenne, eine Steuerbox und soweit ich mich erinnere, eine ausreichende Menge Coaxialkabel. Ganz sicher bin ich mir in diesem Punkt allerdings nicht. Hinzu kam die Halterung am Radarmast, die ich nur skizziert habe und dann bauen ließ und einige Stunden Arbeit für die halbwegs saubere Installation und das Ziehen von Kabeln. Selbst erledigt schlagen sie nicht zu Buche und erscheinen dieserhalb auch nicht in der Kostenaufstellung.

Kurz weg von den Fakten: Da wir in den letzten Jahren gern längere Zeit auf unserer "Kohinoor" verbringen und uns häufiger im weitgehend befreundeten Ausland aufhalten, formulierte Frau Cornelia den Wunsch nach sicherem Fernsehempfang in unserer Landessprache auch in Ländern wie zum Beispiel Schweden, Dänemark und Holland. Nicht immer sei etwas zu besichtigen, nicht immer hätte man Gäste an Bord und ich wisse ja, die Unterhaltung mit mir, dem Steuermann über einen ganzen Abend hinweg, verliefe meistens zäh. Und immer nur lesen, nee.

Anfangs weigerte ich mich - aus sportlichen Gründen, das muss ich zugestehen. Insgeheim fing ich an zu suchen, wurde allerdings von teils deftigen Preisen allein für eine seewasserfeste Schüssel abgeschreckt. (Wichtig: Eine andere darf es auf keinen Fall sein) Außerdem hatte ich keine zufriedenstellende Idee, wohin ich mit so einem Random auf unseren zwölf Metern Boot sollte. Völlig unverhofft, während ich noch so dachte, flatterte mir per elektrischer Mail ein Sonderangebot eines nicht völlig namenlosen Versenders ins Haus. Beworben wurde eine "Intellian-Antenne" von, wie mir schien, nur geringer Größe. Der Empfang sei trotzdem gut, behauptete der Werbebeauftragte des Händlers für im wesentlichen technischen Yachtzubehör.

Satellitenschüssel am Radarmast schwenkbar
Die Antenne ist um den Mast herum beliebig schwenkbar.
Auf See kann sie mittels der Rändelschraube
sicher fixiert werden

Ich war bald überzeugt und drückte den Bestellknopf, verdammt einfach ist das heutzutage - und so bequem. Sofort kam eine Bestätigungsmail, versehen mit dem Hinweis, dass der Versand der Ware vorbereitet würde, schließlich sei die Ware auf Lager. Ich könne mich schon mal freuen. Im übrigen hätte ich eine gute Wahl getroffen - man beglückwünsche mich hiermit ausdrücklich. Und so weiter - wie das eben so ist heutzutage.

Die Vorbereitung zum Versand dauerte etwas länger, nach guten drei Wochen erst wurde ein Paket zugestellt und beinhaltete tatsächlich die von mir inzwischen dringlich erwartete und natürlich schon bei der Bestellung bezahlte Ware. Drei Mal hatte ich inzwischen nachgefragt wie's denn aussähe. Gut, antwortete man jeweils. Der Versand stünde unmittelbar bevor. Nur ein klein wenig Gedult noch, bat man.

Okay, man kann das so machen, für noch besser hielte ich es, wenn man gleich bei der Bestellung ehrlich wäre und sagte, das es eine Weile dauert. Ich könnte damit leben. Und stornierte die Bestellung nur dann, wenn es wirklich auf unmittelbare Lieferung ankäme. Ich glaube sogar, solch ein Verhalten wäre der Kundenbindung förderlicher - aber ich bin ja schon alt.

Satellitenschüssel Lagerung im Winterlager
Im Winter in der Halle lagert die Antenne so.
Die Konstruktion der Halterung ist
mit etwas Mühe erkennbar.

Die unvorhergesehene Wartezeit hatte ich genutzt und nachgedacht. Geführt hat das für mich immer anstrengende Denken dazu, dass mir ein Anbringungsort für unsere Schüssel in den Kopf kam, den ich für ausschließlich gut hielt. Hinten an den Radarmasten, schoss es mir irgendwann durch den Kopf. Da wird das Ding am wenigsten stören und auch nicht allzusehr auffallen. Aber, fragte ich mich: Wie ist es, wenn du dein Schiff mit dem Bug nach Süden parkst? Könnte das zu Problemen mit Frau Cornelia wegen schlechtem oder ausbleibendem Empfang führen? Die Frage konnte ich selbst leicht beantworten: Im schlimmsten Falle - ja.

So kam ich auf die nahezu geniale Idee, unsere Fernsehantenne schwenkbar anzubringen (siehe Foto zwei). Ich fertigte dazu eine Skizze von der notwendigen Halterung: eine Grundplatte musste her, auf der die Antenne verschraubt werden konnte, daran angeschweißt würde ein Rohr mit einem Innnendurchmesser, minnimal größer als der des Radarmastes. Und eine Arretierungsschraube mußte her, mit der man das Random auf See sicher fixieren kann. Zusätzlich brauchte ich noch ein Auflager, dass meine Konstruktion sicher auf Position hielt. Ein gut zehn Millimeter breites und mittig geteiltes Rund würde es tun - verpresst mit zwei Schrauben an dem Radarmast. Foto drei und vier verdeutlichen das Ganze sicher völlig ausreichend. Zum Strippenziehen durch den recht unzugänglichen Keller unseres Schiffes und den restlichen Arbeiten brauche ich mich nicht einzulassen, da ist jedem alles klar.

Satellitenschüssel am Radarmast Detail Schwenkvorrichtung
Detail Lagerhülse, Rändelschraube und teibares Auflager

Von Interesse aber dürfte sein, wie's funktioniert mit dem Empfang. Gut, muss ich sagen. Unerwartet sehr gut sogar. Das Ding arbeitet einwandfrei, findet für meine Begriffe den Satelliten ausreichend fix und ist auch nicht zu laut. Hin und wieder ahnt man, wenn das Gerät noch sucht und deshalb noch kein Ton aus dem Fernsehlautsprecher kommt, dass da draußen etwas öllert - stören tut es mich nicht. Die Nachführung ist ausgezeichnet - ich hab's auf See mal ausprobiert. Es funktioniert! Man fährt über die Nordsee und natürlich, nur die Freiwache kann fernsehen. Tut sie natürlich nie. Ehrenwort!





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