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Victron-Ladegerät

29.03.2021 | © pt

Manchmal braucht es etwas länger bis zu einem befriedigenden Bastelergebnis. Und nicht immer liegt es an Anderen.


Wie blöd man sein kann

Vor einigen Jahren, genau im Mai 2018 war es, gab es ein neues Zweit-Ladegerät, das alte mit seiner Leistung von maximal 10 Ampere wollte nach 15 Jahren partout nicht mehr ordentlich arbeiten. Meine Wahl fiel auf ein süßes kleines Victron-Gerät mit 20 Ampere Ladeleistung zum Preis von scharf kalkulierten 152,74. Im Gegensatz zum Alten sollte es eine tolle hochmoderne Ladekennlinie mit todsicher arbeitender Erhaltungsladung haben.

Soweit alles bestens. Ab in den Elektroschrank in der Heckkajüte, die alte Kiste rausgeschraubt und die neue rein. Kein Ding. Eine Sache von vielleicht zwanzig Minuten und alles war erledigt.

Perfekt! Ich war zufrieden und natürlich verhalten stolz auf mich. Das Victron arbeitete recht ordentlich, hin und wieder, immer wenn es länger volle Leistung bringen sollte, allerdings schaltete es ab. Kam nach kurzer Zeit aber wieder, schaltete wieder ein. Insofern kein echtes Problem. Und da wir es nur als Zweitgerät fahren, schenkte ich dem kleinen Mangel keine besondere Aufmerksamkeit.

Im Laufe der Zeit aber wurde das Problemchen zum Problem. Die Ausfälle häuften sich. Ein längeres Laden mit voller Last war zunehmend unmöglich. Es kam der Moment, im Frühjahr '20 wird das gewesen sein, da hatte ich die Faxen dicke, setzte mich wieder in meinen Elektroschrank und baute das Ding aus, nahm es mit nach Hause. Ich würde dem Kasten schon beibringen, wie ordentliche Ladetätigkeit zu verrichten ist.

Planar 2D in der Backskiste verbaut
Mein von mir für defekt erklärter Victron-Lader

Zuhause angekommen hängte ich zwei recht leere und alte Batterien an den Lader: Es funktionierte einwandfrei, lud sauber und dauerhaft mit 20 Ampere. Versteh das wer will.

Okay sagte ich mir: „Wird wohl zu warm im Elektroschrank.“ Richtig glauben tat ich mir nicht.  Liebevoll baute ich einen zusätzlichen Kühlventilator ein und legte mein Werk zu den nicht wenigen Dingen, die mit auf's Schiff sollten. Der Urlaub stand vor der Tür.

Wir reisten nach Weener, luden all unseren Krempel auf den Kahn, verstauten unsere Schätze ordentlich und abends montierte ich noch eben den von mir so fachmännisch erweiterten Victron-Apparat.

Das Ergebnis? Nicht so dolle! Geändert hatte sich nichts. Zuhause perfektes Arbeiten – hier auf dem Boot: An, aus, Pause. Wieder an, aus usw.! Zufriedenheit mit mir wollte nicht aufkommen. Der Urlaub war trotzdem okay – wir litten keine Not. Kamen zurecht trotz Corona und dem unanständig werkelnden Ladegerät. Ich verdrängte das Problem ohne große Mühe, verschob den finalen Ladebefreiungsschlag in den Herbst. Eigentlich ist mir dieses Verhalten fremd – was nicht läuft, muss wieder fertig. Jetzt! Aber in diesem Fall ging's.

Der Urlaub ging zu Ende, es war tatsächlich Herbst geworden und ich dachte so bei mir selbst: „Das Ladegerät, du musst das Ladegerät noch machen.“

Und wieder verhielt ich mich untypisch, kaufte einfach ein Neues. Trotz des großen Igels, den ich in der Tasche habe. Ob's mit dem Alter zu tun hat? Ob's Trägheit, Faulheit ist? Auf jeden Fall, ich wollte das Problem vom Tisch haben, wollte nicht reparieren, womöglich zum zweiten Mal erfolglos.

Also, es gab ein neues Gerät, wieder ein Victron. Diesmal mit 30 Ampere und revolutionärer Bluetoothtechnik. Am Tablet sollte ich in Echtzeit sehen können, wie es lädt.

Watt alle giff van Dage. Doll.

Nach Hingabe von diesmal nicht so knallhart kalkulierten exakten 181 Euro landete das blaue Wunder, vom fleißigen Postboten angeliefert, auf meinem Frühstückstisch. Gerade rechtzeitig vor meiner Abreise zum Schiff. Auch im Herbst sitz' ich da gern ein paar Tage, mache so dies und das.

Und diesmal zuallererst ein altes Ladegerät ausbauen und ein neues montieren. Meine Vorfreude war riesig. Die Überwachungsapp hatte ich mir schon geladen. Das Tablet lag bereit.

Schalter ein. Ladegerät springt an. Das Amperemeter zeigte dreißig. Für zwei, drei Sekunden. Dann Null. Nix Strom. Nach zwei Minuten wieder: An, aus.

Ich verstand es nicht. Musste denken, Kaffee machen und denken. Die für mich ungewohnte Tätigkeit des Denkens sorgte für Unzufriedenheit mit mir:

„Wie blöd bist du denn eigentlich? Zwei Geräte zeigen das gleiche Fehlerbild. Das Eine arbeitet 200 Kilometer entfernt einwandfrei, hier aber nicht. Kann doch kaum am Material liegen, daran dass wir hier deutlich nördlicher sind, wohl auch nicht. Der Fehler muss im Schiff liegen. Oder besser bei dir. Und nicht bei Anderen! Oder? Und jetzt geh mal mit etwas Hirn an die Sache. Hopp!“

Ich hörte auf mich, war guten Willens, schaltete das Victron wieder an und setzte mich in meinen Elektroschrank. Gerät an. Gerät aus. Pause. Gerät wieder an, aus, Pause. Und dann krabbelte mir ganz leise ein typischer Geruch in die Nase. Wir alle kennen ihn. Er rührt von überlasteten elektrisch/elektronischen Systemen und kommt leicht süßlich, aber mit einer unerfreulich herben Note daher.

Ich schaute, fühlte und drückte ein leises: „du kompletter Vollpfosten“ heraus. Die Sache war klar. Vom Ladegerät weg führten zwei 2,5²-Kabel, endeten nach wenigen Zentimetern an einem Relais, das mit maximal 16 Ampere belastbar war. Es sah entsprechend aus, war als elektrischer Schalter kaum noch erkennbar, glich eher einem Plastikklumpen Von dort ging es weiter mit 1,5²-Kabeln. Insgesamt ein völliges „No-go“. Eines, das ich selbst installiert hatte, irgendwann in den neunzigern für mein kleines 10-Ampere-Ladegerät. Schon damals war das eher an der Grenze des Vernünftigen.

Okay, es war wie es war. Und so wie es war, war es schlecht, grottenschlecht! Jemand, der seine Aufgaben ernst nimmt, hätte das vor Monaten überprüft. Ich hatte das versäumt und schrieb mir eine sechs ins imaginäre Bewertungsheftchen, kramte Werkzeug hervor, suchte mir anständiges Kabel aus einem Schapp, 6² würde eben reichen und machte mich ein gutes Jahr verspätet an eine ordentliche Verkabelung. Drei Stunden später konnte ich das Werkzeug beiseiteräumen, etlichen Schrott entsorgen, unter anderem ein völlig überflüssiges Relais und mein Victron erneut einschalten.

Danach habe ich lange und interessiert auf meine App geschaut. Es ist so schön, wenn alles funktioniert. Man kann zufrieden sein mit sich und natürlich mit Erfolgen prahlen.

Mein Rat an andere Helden: Macht es einfach gleich richtig.




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