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Ihr habt's vergeigt Leute

28.03.2021 | © pt

Nachdem ich mich schon im vergangenen Jahr zu diesem Thema ausließ, an dieser Stelle einige weitere Zeilen zur alles beherrschenden Pandemie.



Ihr habt's vergeigt Leute!

Warum? An mahnenden Stimmen hat es nicht gemangelt! An hohem Sachverstand ebensowenig. Dabei machtet ihr einen wirklich ordentlichen Job im Frühjahr 2020. Ich war zufrieden, fasste Zutrauen in die politisch Handelnden (vgl. hier) – und weiß Gott, nicht nur ich. Die Welt hat auf unser Land geschaut:

„Die haben's drauf! Die sind die Weltmeister in Pandemie!“, hieß es bewundernd von vielen Seiten.

Und nun? Alles verspielt! Beginnend im Sommer letzten Jahres habt ihr euren Kredit fahrlässig verzockt, war es vorbei mit dem anfänglich stringent kreativen Handeln.

Betrachten wir nur diesen einen Punkt: Da setzt ihr euch hin am 3. März, eine hochgeachtete Kanzlerin, ein Kanzleramt, ein paar Minister und sechzehn Bundesländer und bastelt eine höchst zweifelhafte Öffnungsstrategie. Ihr tut das, ich unterstelle wider besseres Wissen, weil das Volk den „Dauerlockdown“ nach eurem Eindruck leid ist, weil Kinder wieder ordentlich beschult werden müssen, weil der wirtschaftliche Schaden gigantisch ist und aus manch anderem nachvollziehbarem Grund.

Richtig und wichtig. Kinder müssen in die Schule, müssen sich entfalten, messen können. Sonst vertrocknen sie. Der Geiger muss die Seiten streichen, der Clown lächelnd sein trauriges Gesicht in Falten legen. Und die Wirtschaft muss sich drehen, der Kneipier sein Bier in die Krüge laufen lassen. Vergessen habt ihr augenscheinlich konzeptarmen Politjongleure, Voraussetzungen zu schaffen, vorausschauend zu agieren, zu planen, zu handeln. Seit Monaten schon habt ihr lediglich die Scherben der Blumentöpfe aufgekehrt, die euch eben aus der Hand geglitten sind.

Mit  Leben habt ihr gespielt am 3. März, geradeso wie der Schwimmmeister, der seinen ungeduldig mit den Füssen scharrenden Badegästen hektisch winkend zuruft: „Zehn-Meter-Turm ist offen Leute! Ihr könnt springen! Das Wasser im Becken allerdings – das kommt später.“

Solch Handeln ist fahrlässig, hochgefährlich, strafrechtlich relevant vielleicht sogar, zumindest in hohem Maße unprofessionell. Genau deshalb hörte man noch nie von der eben fiktiv beschriebenen himmelschreienden Chuzpe eines einfachen Bademeisters. Der kümmert sich im Vorfeld. Arbeitet die Dinge planvoll und weitsichtig vorausschauend ab, lässt ganz sicher zuallererst das Wasser ein.

Alles, wirklich alles im Zusammenhang mit Versäumnissen und Fehlern der politisch Handelnden, der Verwaltungen im Kleinen und im Großen ist zum Erbrechen ausreichend besprochen und vieltausendfach mehr oder minder seriös in der Presse und unzähligen Fernsehbeiträgen durchgequirlt und wiederaufbereitet worden. Ich brauche in dieses Horn nicht mehr zu blasen.

Vergangenheitsbezogene Diskussionen zu Masken, IT-Infrastruktur, Tests, Kontaktnachverfolgungen, Impfungen, all das weckt keinen Toten auf, schützt niemanden vor zukünftigem Schaden.

Es darf ab sofort nur um eines gehen: Den weiteren Schaden so gering wie eben möglich zu halten! In allen Bereichen!

Darum: Werdet schnell. Schneller als ihr jemals wart. Handelt stringent, mutig und unkonventionell! Sprecht mit einer Stimme, deutlich und klar. Regelt, aber einheitlich und einsehbar verständlich. Natürlich dürft ihr streiten, am Schluss aber muss ein Ergebnis stehen – ein gutes, nachvollziehbares, nicht sechzehn zweifelhafte von Ängsten gesteuerte.

Macht einen Plan und kommuniziert ihn gut und glaubhaft. Bringt die Infiziertenzahlen runter. Macht Modellregionen, einige – nicht zig und wertet die Erkenntnisse aus. Neutral! Macht Tests verpflichtend. Sofort, für Schüler und Arbeitnehmer. Kein Test – keine Schule, keine Arbeit. Mindestens zwei Mal wöchentlich. Und erklärt den Menschen, dass eine Schnelltestaussage nur eine Aussage für den Moment ist und auch für den Moment keine zu 100% sichere.

Und wenn es gelungen ist, mit mutig planvollem Handeln die Inzidenzen auf ein verantwortbares Maß zu drücken, lange wird das nicht dauern, zwei, drei Wochen vielleicht und ihr geimpft habt wie die Teufel, sieben Tage in der Woche und überall, auch der Impfstoff kommt ja, dann könnt ihr die bis dahin wohlüberlegten und gut geplanten Öffnungen realisieren.

Das beinahe Wichtigste zum Schluss: Wir, wir Bürger dieses Landes, dieser Welt, männlich oder weiblich, müssen unseren Anteil leisten. Und der ist erheblich. Natürlich haben wir keinen Bock mehr auf Lockdown, wollen reisen, mit Anderen in der Kneipe sitzen, Konzerte hören, die Oma drücken, einkaufen gehen wie früher, weißt du noch?

Das alles und noch viel mehr wollen wir, klar. Geht aber nicht. Noch nicht! In Teilen ist es unsere eigene Schuld. Weil wir nicht abwarten können, ungeduldig, müde, wütend sind und fahrlässig rücksichtslos: Mich kann es nicht treffen, ich sitz' ja nur abends mit ein, zwei Kumpeln – und die kenn' ich schon so lange. Maske? Brauch ich nicht.

Wären wir strenger mit uns – wir wären schneller durch und die Fehler der Politik wären weit  weniger ins Gewicht gefallen.

So tragen wir beinahe alle unser Päckchen Schuld und müssen intensiv hoffen, dass nicht irgendeine winzig kleine, lustig anzusehende Virus-Mutante uns einen dicken Strich durch unseren Traum von der Wiederkehr des ehemals so schönen Lebens macht.

Und das noch für den Spiegel: Es ist nicht alles schlecht gelaufen bislang. Wir sind nicht Weltmeister, unter „ferner liefen“ allerdings sind wir auch nicht. Andere haben es wesentlich schlechter getroffen. Wir sollten nicht nur an sie denken, wir sollten sie unterstützen. Die gute Nachricht für Egoisten wie mich: es wäre zu unserem Vorteil!






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