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Das grüne Handtuch oder Schweinswale im Mekong

29.01.2020 | © gw

Nicht alles hier ist selbstgemacht. Der ne­ben­stehende, oder in diesem Fall un­ten­ste­hende Bericht aus den frühen 2000-er Jahren stammt - eigentlich ist er ja ge­stoh­len - von der Seite "mare ger­mani­cum". Guido, Betreiber der Seite, wird es ver­zei­hen. Ge­schrie­ben wurde er von eben diesem Guido, un­se­rem da­ma­ligen Chro­nis­ten. Von mir kann ich sagen: "Ich war dabei." Es waren schöne Touren damals.

Mein Eindruck übrigens bei noch­maliger Lektüre des Artikels ist, dass unser Guido nur wenige gute Haare an mir läßt.

Ich halt die Sachen eben gern in Ordnung - und so ein Handtuch; das kann einiges ab. Auch Ver­schie­den­stes! Soll sich nicht im­mer so an­stel­len, der Junge.

Sonnenuntergang Nordsee

Guido Jörg Peter Wim
Begegnungsverkehr

Also los:

Das güne Handtuch oder Schweinswale im Mekong

Es war wieder soweit! Endlich konnten wir, Peter, Jörg, Wim und ich, zu unserem Frühjahrtörn starten. Wir hatten dieses Jahr auf ein vorher festgestecktes Ziel wohlweislich verzichtet. Vielmehr sollte das Wetter, insbesondere der Wind, über das Ziel entscheiden. Startpunkt war diesmal Weener und der Wind wehte uns wie immer direkt auf die Mütze. So fuhren wir unter Maschine bis nach Borkum. Zwischen Emden und Delfzijl haben wir dann doch tatsächlich drei Schweinswale im trüben Wasser der Ems gesehen, sie schwammen gegen den Strom ems­auf­wärts.

Nicht ganz bei Eemshaven haben Jörg und ich entschieden die Fock zusätzlich zu setzen. Um den unangenehmen Seegang, der sich durch Wind gegen Strom gebildet hatte erträglicher zu machen. Lange hat das aber nicht vorgehalten. Eine besonders hohe Welle lief beim Fockdichtholen unter dem Schiff durch, so das ich als Rudergänger, mit der Fockschot in der Hand, einen Ausfallschritt machen musste, um an meinem Platz zu bleiben.

Unter Deck wurde Wim von dem heftigen Überholen überrascht und ist quer durch den Salon geflogen. Dabei ist dann der Salontisch aus seiner Verankerung gebrochen. Zum Glück hat Wim sich nicht allzu viel getan, der Tisch musste allerdings fürs erste mit Sorgleinen provisorisch fixiert werden. Damit das möglich war musste die Fock wieder weg. Unterwegs wurden wir von einer nagelneuen Hanse 33 überholt, ebenfalls unter Maschine. Borkum haben wir nachmittags ohne weitere Schäden erreicht.

Salon SY Kohinoor

Wir lagen hinter der Hanse an der Brücke, im Hafen stand ein Schwell - man hätte seekrank werden können. Der nächste Tag brachte noch mehr Wind und ein stark fallendes Barometer, so das wir uns entschieden haben einen Tag auf Borkum abzuwettern. Die Hanse ist ausgelaufen und hat in der Westerems ihr Rigg verloren und musste abgeschleppt werden. Was mit der Crew passiert ist haben wir nicht erfahren können.

Hagelschauer auf Borkum

Gut das wir auf Borkum geblieben sind, eine besonders heftige Gewitterböe hat uns Hagel beschert, der ausreichend genug für eine Schneeballschlacht gewesen wäre. Au­ßer­dem hatten wir so genügend Zeit für die nötigen und bei Peters Boot üblichen Reparaturen.

Tags darauf ging es dann weiter, bei starkem Gegenwind die Westerems raus sollte uns der Kurs nach Norden bringen. Tyborøn in Dänemark am Limfjord ließ sich anliegen. Erst ging es unter Segeln mit Dampf los, der Wind hat uns aber gegen Abend allein gelassen, so dass der Diesel laufen musste. Der hat eine tragende Rolle bei dieser Reise gespielt. Die ganze Hinreise war wenig spektakulär, bis auf die Bilgenpumpe die immer wieder ansprang. Dabei gibt sie ein durchdringendes Piepen von sich, was Wim veranlasste aus der Koje zu kommen und die Wache zu fragen was das sei.

Auf die Antwort: "Die Bilgepumpe" wollte er wissen ob das schlimm sei. Nun ja, wenn sie nicht mehr aufhört zu pumpen ist das schon doof, besonders wenn mehr Wasser nachläuft als sie wegpumpen kann. Gelegen hat es aber dann doch nur an einer defekten Membrane. Und nicht an dem Loch im Boot das wir wenig später hatten.

Mastarbeiten an der SY Kohinoor

Weil es nix so richtig zu reparieren gab und Peter gerne repariert musste halt der Geber vom Echolot gereinigt werden. Ich habe das Loch zugehalten und Peter den Geber gereinigt, den Wechsel beim Geber Einsetzten habe ich absichtlich etwas verzögert damit Peter auch mal nass wird. Nass ist er geworden und die Absicht hat er gar nicht bemerkt.

Wie auch immer, irgendwann waren wir in Tyborøn. Kurz festgemacht, was gepennt und gefrühstückt, danach wollten wir noch Diesel bunkern. Eine spektakuläre Sache, der Tankchef war von der ganz besonderen Sorte. Mit Diesel kleckern? Nix Problema in Tyborøn - mal kurz was Pril drüber und fertig! Wasser bunkern ging ganz schnell, kein Wunder bei mindestens 1 Mio. bar Wasserdruck, mit dem Strahl hätte man Stahl schneiden können.

Weiter ging es in den Limfjord hinein, wir konnten wieder richtig segeln und sind auf diesem wunderschönen Revier ein paar schöne Schläge gesegelt. Für die Nacht haben wir eine schöne Ankerbucht gefunden.

Segeln im Limfjord

Wir haben alle lange gepennt, bis auf Peter, der ist doch einfach aufgestanden und hat dieses tonnenschwere Schiff wirklich und tatsächlich an der Kette bis zum Anker vorgezogen und ihn hoch geholt! Phä­no­me­nal - der reinste Kraftmeier!

Wir sind dann weiter durch den Limfjord gekreuzt - rauf oder runter, wie auch immer. Das Revier ist ziemlich unübersichtlich mit seine vielen Inseln und engen Durch­fahr­ten, aber wun­der­schön. Viele große Was­ser­flä­chen mit Ausdehnungen bis zu 14 Meilen auf denen man sehr schön segeln kann wechseln sich mit engen Fahrwassern ab. Ein vernünftiges Echolot ist aber schon vonnöten oder, so wie bei uns, eine computerunterstützte Navigation, die stän­dig den aktuellen Schiffsort in der Karte an­zeigt (da dieses System an Bord war hatte Jörg den Weltatlas gleich ganz unten in ein Schapp gepackt). Sobald sich die Mög­lich­keit dazu bietet muss ich unbedingt wie­der da­hin zurück. (Er meint zum Limfjord. (Das Lektorat))

Ausguck im Limfjord auf der Kohinoor

Auch wenn wir sicher aufgefallen sind. Einmal weil wir des Öfteren vergessen haben das Ankerlicht im Masttopp auszuschalten, selbst im Hafen in der Box. Aber da gab es ja fast immer Landschrom. Und dann, weil die halbe Crew zwecks photographischer Aufnahmen in seltsam verkrümmten Positionen an Deck lag oder fast vollkommen außenbords hing. Dank der Digitalkameras sind wir jetzt im Besitz von Bildern 1000er Sonnenunter- bzw. -aufgänge, fast aller passierten Fahr­was­ser­tonnen. Jeglicher Segelstellung und jeder Möwe könnte man im Nachhinein einen Namen geben. Wim musste uns in Thisted leider eher verlassen, so dass wir für die Rückreise nur zu dritt waren. Wir waren vorher noch alle zusammen lecker Pizza essen. Die Serviererin hatte den hübschesten Popo den ich je gesehen habe, leider war sie sehr schweigsam …… und leider nix mit "We are red, we are white - we are danish dynamite".

Wir wollten eigentlich über die Ost­see zurück, aber die Windvorhersage war dafür eher ungünstig. So war der Absprunghafen für die Rückreise Tyborøn; einlaufen abends, im Seemannsheim kurz was essen und dann weiter. Wir haben uns parallel an der Küste runtergemogelt, nachts haben wir eine riesige Flotte mit dänischen Küsten­fischern durch­quert. Mann - waren das viele, aber es war ja auch Donnerstag: Freitags kommt Fisch auf den Tisch.

Abendstimmung auf der SY Kohinoor

Der Wind hatte ein Einsehen mit uns, er frischte auf und drehte weiter auf WSW, so das wir Helgoland anliegen konnten. Ausgerechnet Helgoland - Peter wollte doch nie wieder dorthin. Abends Essen im selben Lokal wie vor zwei Jahren, zollfrei schmuggeln alles wie immer. Das Be­son­dere die Weiter­fahrt! Ganz früh morgens bei den Anderen klopfen und um 06:00 los, diesiges Wetter und no Wind.

Helgoland im Nebel

Kurz nachdem wir die Kardinale vom Naturschutzgebiet passiert hatten tauchte in Luv die Grossherzogin Elisabeth aus Elsfleth aus dem Dunst auf. Das Bild erinnerte mich an eine Szene aus der Verfilmung Jack Londons Seewolf - ge­spens­tisch wie die Ghost.

Der Wind schlief dann bald wieder ein, so dass der Diesel wieder starten durfte. Da uns das Wasser weglief, verzögerte sich die Ankunft auf Borkum immer weiter, so gegen Mitternacht konnten wir die Leinen an "unserem" Liegeplatz festmachen. Nach­dem Jörg uns einen leckeren Auflauf gemacht hatte und er verdrückt war, haben wir uns entschlossen noch bis nach Emden weiterzulaufen. Anfangs bei Regen und später bei diesiger Sicht bekam der Ru­der­gän­ger An­wei­sun­gen von der Ra­dar­wache und von der PC-Wache, die den Kurs in der Karte auto­ma­tisch mit­kop­pelte.

Kohinoor vor dem Wind

Morgens gegen 06:00 Uhr lagen wir fest im Emder Außenhafen. Das Durchschleusen habe ich verpennt, wie so vieles. Am Liegeplatz haben wir das Boot von innen und außen geputzt. Und damit finde ich hier am Ende den Bogen zum Anfang:

Das Grüne Handtuch - ich würde mich gerne weiter dazu auslassen, aber dies soll eine saubere Webseite bleiben. (Er meint seine eigene (Das Lektorat)) Ich kann nur dazu sagen, für Peter muss dieses Hand­tuch soviel bedeuten wie die Schmu­se­decke für Linus von den Peanuts.





Nun wird nicht jeder auf Anhieb verstanden haben, worum es dem guten Guido ei­gent­lich ging, ich will es kurz über­set­zen und zu­sam­men­fas­sen (letztlich drückte er sich ja vor­nehm zu­rück­hal­tend aus, wirk­lich ver­ständ­lich nur für Ein­ge­weihte):

Wir, mein Freund Jörg und ich sind nicht nur sparsam, nein, da­rü­ber hinaus sind wir in hohem Maße reinlich veranlagt. Das ist nicht nur eine Erziehungsfrage, das hat auch ge­ne­ti­sche Ur­sa­chen - ist Ver­an­la­gung eben.

Und so nutzten wir zu der Zeit, zumindest in der Wahr­neh­mung des lieben Guido ein vormals grünes Hand­tuch allzu intensiv - zum Putzen von Bad und WC, zur Kör­per­pfle­ge und natürlich für die hin und wieder not­wen­di­ge Rei­nigung von Salon und Pantry.

Wie schon formuliert, das alles spielte sich ganz wesentlich in der Fantasie des Guido ab - in Wahr­heit waren die Einsatzorte des Handtuchs weit weniger man­nig­fal­tig. Bei unserem Guido aber reichte seine Form der Wahr­neh­mung für lange über die Reise­dauer hin­aus sichtbare und we­nig schöne Hautekzeme.

Ein wohl rein phychisches Pro­blem!

Ich bin nicht sicher, ob das Hand­tuch noch existiert. Wenn Frau Cor­ne­lia von der Ge­schich­te wüßte - nein, dann nicht mehr.




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