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Bewegte Experten


13.02.2020 | © pt


Warum laufen die bloß immer?

Ich frag mich das schon lange. Und re­gel­mäßig wieder. Immer dann, wenn ich Nach­rich­ten und Ma­ga­zi­ne im Abendprogramm des Fernsehens schaue und ein Ex­per­ten­kom­men­tar angekündigt wird.

Glauben die Macher dieser Sendungen, wir seien so blöd und ließen uns von der ewig gleichen Szene auch noch nach Jahrzenten zu Be­gei­ste­rungs­stür­men hin­reißen?

Im Folgenden schildere ich kurz die ty­pi­sche Si­tu­a­ti­on und zeige selbst­ver­ständ­lich Lösungen auf.

Man will ja nicht nur meckern.

Treppe von Shamia Casiano auf Pexels
Das hier als Symbolbild verwendete Photo stammt von der Plattform "Pexels". Es wurde von Shamia Casiano aus den USA aufgenommen und darf frei verwendet werden. Ich danke dem Photographen und ebenso der Plattform.



Die beiden Szenen hast du so wie ich vor deinem geistigen Auge - ich wette drauf:

Mal treppauf-, mal treppabgehend wird eine Person dramatisch ins Bild gesetzt, hin und wieder auch einen Flur entlang laufend. Es folgt ein heftig harter Schnitt und schon beginnt ein tiefgründiges Ex­per­ten­statement. Bei­na­he immer dieser Ab­lauf.

Soll diese immer gleiche Form des Aufmachers ständige Ge­schäf­tigkeit der Akteure rüberbringen? Oder lediglich de­ren Sport­lich­keit?

Ab und an wird nicht gelaufen. Dann wird gesessen – in einem Buch ge­le­sen oder wich­tig drein­schau­end in Ber­gen von Un­ter­la­gen ge­blät­tert.

Ver­mit­telt uns diese Alternative Kom­pe­tenz, oder sogar überragende In­tel­li­genz, die den Zuschauer zu einem demütig devot lauschenden Empfänger der Nachricht de­gra­die­ren will?

Komisch ist das, oder? Dies immer vor­her­seh­bar Gleiche.

Nee, ich finde das nicht komisch, ich find’s dramatisch einfallslos. Beim ersten Mal, vor dreißig Jah­ren oder vierzig, ja da war’s ein Hingucker – vielleicht. Die Zeit ist reif für Neues! Allerspätestens jetzt! Sofort! Unmittelbar!



Vier Vorschläge habe ich erarbeitet:

  • Experte/Expertin wird mit oh­ren­be­­täubend lau­tem Lear­jet ein­ge­flo­gen.

    (Dagegen spricht die Co² - Bilanz und die notwendig resultierende dras­ti­sche Erhöhung der Rund­funk­ge­bühren)

  • Experte/Expertin reitet galant auf weißem Schwan zur vorgesehenen Be­fra­gungs­po­si­tion.

    (Auch hier könnten mit einer gewissen Berechtigung Einwände gemacht werden: zum einen nicht von der Hand zu wei­sende Tier­schutz­ge­danken und zum anderen: nicht jeder Ex­per­te ist auch ein guter Rei­ter)

  • Experte/Expertin muss sich vor dem Statement ent­fes­seln, weil zur ul­ti­ma­ti­ven Erbauung der Zuschauer in Ketten gelegt und ge­kne­belt.

    (Ich höre die Bedenkenträger schon: Abstrus, äußert der eine, an­de­re wer­den einwenden, dass die Sen­de­zeit nicht in je­dem Fall aus­rei­chen wird, manch Experte ver­mut­lich so­gar an der Aufgabe schei­tern könn­te)



Und zum Schluss ein richtig Blö­der:

  • Hört auf damit! Befragt die Leu­te im Sitzen, Stehen – egal. Lasst sie einfach re­den. Ohne diesen zu­sätz­li­chen Mist. Beschränkt euch auf das Wesentliche – auf ein paar Fakten oder auch eine subjektive Ein­las­sung. Tam­tam und ge­quirl­­te Schei­ße ist genug.

    Ihr seid öffentlich rechtliches Fern­seh­en - anderes gucke ich nicht. Und ihr habt einen Auftrag. Und der kann nicht lauten: Sendet Sinnfreies um jeden Preis.


Oder wollen die das so, die Experten? Bestehen Die da­rauf?: „Ich will aber jetzt ins Bild laufen, ich will in diesem elen­den Buch blättern.“

Wenn es so sein sollte, tja, dann wären die Experten die Falschen.




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